Eine neue Online-Plattform bringt Hilfe im Alltag

Die Online-Serviceplattform „Allfred – Alltag – Freizeit – Dienstleistung“ des Diakoniewerks Oberösterreich bietet älteren Menschen, die Abwechslung in ihren Alltag bringen wollen oder Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben benötigen, eine unkomplizierte Form der sozialen Begegnung und des persönlichen Austausches.

Über die Plattform werden sozial engagierte Menschen, die helfen möchten und eine sinnstiftende Betätigung suchen, mit unterstützungsbedürftigen Senior*innen zusammengebracht.

Die Plattform vermittelt nicht nur konkrete Hilfe im täglichen Leben, sondern rückt so auch das Tabuthema Einsamkeit im Alter ins Zentrum. Das Projekt wurde im Rahmen des städtischen Wettbewerbs „Mit Innovation die Stadt verbessern“ mit dem 3. Preis ausgezeichnet.

Das Projektteam des Diakoniewerks OÖ (Foto: Petra Moser)

Im Sommer 2018 startete das Vorhaben erstmals mit dem Ansinnen, Asylwerber*innen trotz ihrer eingeschränkten Arbeitsrechte eine Einkommensmöglichkeit zu bieten, die über den Dienstleistungsscheck des Sozialministeriums abgewickelt werden kann.

Ausgehend davon, dass Asylwerbende bereits in Altersheimen freiwillige Arbeit leisten, die gut angenommen wird, kam man auf die Idee, den Bedarf älterer Menschen an Hilfe im Alltag mit jenem Bedarf an Nebenverdiensten zu verbinden und aktiv Helfer*innen zu vermitteln.

Um diese Form der Vermittlung einfacher zu gestalten und daraus eine neue, niederschwellige Dienstleistungsmöglichkeit zu schaffen, erfand man allfred.at. Die Plattform ist als unkomplizierte erste Anlaufstelle für ältere Menschen konzipiert: Wenn die eigene Mobilität eingeschränkt ist, das Einkaufen zunehmend schwieriger wird, der Haushalt oder der Garten nicht mehr selbständig gepflegt werden können, dann hilft Allfred, die passende Unterstützung zu finden.

Kund*innen wie Helfer*innen können sich über die Website registrieren oder nehmen telefonisch Kontakt auf. Dabei wird die Art der benötigten Hilfe bzw. jene der gewünschten Beschäftigung eruiert. Die strafrechtliche Unbescholtenheit der Helfer*innen ist dabei grundsätzliche Voraussetzung, genauso wie allfällige weitere Notwendigkeiten wie etwa ein Führerschein.

Katja Riel
Foto: Petra Moser (CC BY 4.0)

In regelmäßigem telefonischen bzw. persönlichen Austausch auf beiden Seiten tritt die Diakonie sowohl als Kommunikationsschnittstelle als auch als Beraterin auf, die Ratschläge und wichtige Erfahrungswerte weitergibt.

Die Vereinbarung über die Höhe des Gehalts ist von der Plattform jedoch abgekoppelt und wird direkt zwischen den Kund*innen und den Helfer*innen ausverhandelt – einzige Vorgabe dabei ist die Einhaltung der vom Sozialministerium vorgeschrieben Mindesttarife. Das soll garantieren, dass eine vertrauensvolle und faire Einigung erzielt wird, die zur Zufriedenheit auf beiden Seiten beiträgt.

Nach der erfolgten Vermittlung ist das Arbeitsverhältnis weitgehend selbstorganisiert, was hohe Flexibilität für die Helfer*innen schafft: sie sind nicht weisungsgebunden, können sich untereinander absprechen und flexibel einspringen.

Unterstützende sind dabei entweder rüstige Pensionist*innen, sozial engagierte Student*innen oder Menschen, die bereits Teilzeit im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten. Auf diese Weise stellt das Angebot auch für Professionist*innen eine flexible Zuverdienstmöglichkeit dar – mit einem wesentlichem Unterschied: Pflegetätigkeiten sind bewusst ausgenommen.

Auf Qualitätsmanagement wird dabei besonderen Wert gelegt. Durch laufenden persönlichen Kontakt durch die Diakonie wird Verbindlichkeit geschaffen und Missbrauch verhindert. Man kennt seine Beteiligten und pflegt einen guten Austausch. Schon beim Erstkontakt sollen Berührungsängste genommen werden: „Dadurch, dass wir für ältere Menschen oft die erste Anlaufstelle sind, ist die Skepsis zuweilen recht groß“, weiß Katja Riel, Projektleiterin von Allfred.

„Oft sind es die Kinder, die das für die Eltern organisieren und erst Überzeugungsarbeit leisten müssen. Es gibt ein Kennenlerntreffen zwischen Kund*innen und Helfer*innen, das mitunter auch erst einmal verhalten ist. Das lockert sich jedoch meist recht bald und die Leute lernen das schnell zu schätzen.“

Katja Riel, Projektleiterin

Wahrzunehmen, dass man selbst nicht mehr kann wie gewünscht, ist für Betroffene oft eine Überwindung, besonders wenn das Thema Einsamkeit dabei eine Rolle spielt:

„Es ist nicht leicht, sich einzugestehen und offen zuzugeben, dass man alleine ist und am Ende des Tages jemanden dafür bezahlt, der zu einem kommt und mit einem ‚Mensch ärgere dich nicht‘ spielt. Das ist für viele eine große Hürde“,

erzählt Riel.

Durch den Preis des Innovationswettbewerbs kann für Neueinsteiger*innen nun ein Gewinnspiel angeboten werden: Gewonnen werden kann eine kostenlose Inanspruchnahme der Leistungen.

An Zukunftsplänen mangelt es nicht: Momentan ist man im schrittweisen digitalen Ausbau, um die Bekanntheit und damit die Reichweite zu erhöhen. Mittelfristig will man sich in Linz und Umgebung als fixes Angebot etablieren. Danach ist Ausweitung auf andere Bundesländer geplant.

Mehr Informationen unter http://www.allfred.at

zuletzt geändert am 29. September 2020