Medienpädagogisches Konzept

Medienpädagogisches Selbstverständnis und Leitgedanken

Die Digitalisierung modifiziert laufend unsere Lebensrealitäten und stellt damit immer weiter wachsende Anforderungen an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Wir sehen selbst bei den “Digital Natives” – jene Menschen, die bereits selbstverständlich mit digitalen Technologien aufgewachsen sind -, dass diese Herausforderungen nicht intuitiv gemeistert werden können.

Vor diesem Hintergrund ist uns als Open Commons Linz wichtig, dieses Thema auch sozialpädagogisch ernst zu nehmen. Als Initiative der Stadt Linz sehen wir uns verantwortlich, jungen Linzer*innen Zugang zu Medienbildung zu ermöglichen, um sie zur Partizipation in der digitalisierten Gesellschaft zu befähigen. Wir fördern Medienmündigkeit, weil wir beobachten, dass sie eine Voraussetzung für ein selbstbewusstes und selbstbestimmtes Leben geworden ist. Diese Förderung junger Menschen soll schon zum Einstieg in die digitale Welt zu einem selbstbestimmten, reflektierten und kompetenten Umgang mit Medien und den dahinterstehenden Technologien verhelfen. Der Schwerpunkt der medienpädagogischen Arbeit liegt dabei auf nachhaltigen pädagogischen Konzepten sowie auf der Herstellung von Chancengleichheit junger Linzerinnen. Ein besonderes Anliegen ist uns, speziell Kinder und Jugendliche zu fördern, die seltener mit Technik und Technologie in Berührung kommen. Bei unseren Programmen unterstützen wir daher explizit die Beteiligung von Mädchen, LGBTIQA+ Personen sowie Menschen mit Migrationshintergrund, und möchten Kindern und Jugendlichen den Zugang zu technischen Ressourcen ermöglichen, die sozioökonomisch benachteiligt sind.

Wir bemühen uns um möglichst offene medienpädagogische Formate, die die Kreativität und einen informierten, lustvollen Umgang mit der digitalen Welt fördern und auf die aktuellen Bedürfnislagen und Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Pädagoginnen ausgerichtet sind. Dabei orientieren wir uns am neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse und Diskurse und leiten daraus unsere medienpädagogischen Bausteine und angewandten Methoden ab. Sie sind konkrete Orientierungshilfen für die Praxis. Damit sie auch außerhalb unserer Programme Anwendung finden können, veröffentlichen wir Formate und Materialien regelmäßig als OER (“Open Educational Resource”, offene Lehr- und Lernmaterialien) und richten uns mit Seminaren und Einführungsworkshops an Pädagoginnen.

Mit dem vorliegenden Konzept möchte Open Commons Linz die eigene Herangehensweise und dessen strukturelle Verankerung sichtbar machen. Damit soll auch transparent werden, weshalb und wie sich unsere medienpädagogischen Angebote gestalten. Mitarbeiter*innen und Pädagog*innen soll es gleichermaßen Handlungsorientierung wie medienpädagogische Grundlage für die Praxis bieten.

Mit unseren Angeboten wollen wir ein breites Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit Technik und Programmierung schaffen. 

Wir möchten die Teilnehmer*innen einladen, ihre eigene Umgebung mit Hilfe von technischen Mitteln zu verbessern und mitzugestalten. Dabei soll die Fähigkeit zum reflektierten Denken und Eigeninitiative angeregt werden. Daher stehen nicht konkrete Tools oder Programmiersprachen im Zentrum der Lerninhalte, sondern übergreifende, transdisziplinäre Fähigkeiten wie etwa kreatives Problemlösen, die Realisierbarkeit von eigenen Projektideen einschätzen zu lernen und in einen gesellschaftlichen Kontext zu bringen.

Langfassung des Medienpädagogischen Konzepts herunterladen (PDF)

Computational Thinking

hello world vermittelt elementare Aspekte des Computational Thinkings: Das heißt nicht etwa wie ein Computer zu denken, sondern vielmehr wie ein*e Informatiker*in. Computational Thinking meint, die einzelnen Gedankenschritte beim Lösen eines Problems so aufzubereiten, dass sie auch ein Computer versteht und anwenden kann. Dieses Aufdröseln kann gerade in einer komplex gewordenen Welt Überblick und Handlungsspielraum schaffen. Die jungen Teilnehmer*innen erfahren so auch spielerisch, wie Code und Software funktionieren.

Pädagogisches Making

Making heißt, Dinge selbst herzustellen. Die letzten beiden Jahrhunderte haben mit sich gebracht, dass viele Produkte in Fabriken produziert werden. Automatisierung und Digitalisierung haben Einzug genommen. Doch in den letzten Jahren ist das Selbermachen wieder im Aufschwung.
Das heißt nicht, dass wir Selbstversorger*innen werden, sondern vielmehr, dass uns die Making-Erfahrung – vom Seifensieden bis zum 3D-Drucken – wieder den Bezug zur Fertigung von Produkten und zum Einsatz von Ressourcen spürbar macht. Die pädagogische Aufbereitung von Making-Situationen wird auch pädagogisches Making genannt. Sie ist Grundlage für alle hello world Workshops, in denen gebastelt, gebaut und gewerkt wird.

Haltung entwickeln

Technologische Innovationen haben unsere Welt in den letzten Jahrzehnten tief geprägt.
Wegen dieser schnellen Entwicklung hinkt unser Rechtssystem der gelebten Praxis allerdings immer noch hinterher. Umso wichtiger ist es, sich mit den individuellen und gesellschaftlichen Folgen und unserer Verantwortung dabei zu beschäftigen.

Darum erlegen sich immer mehr Programmierer*innen, Techniker*innen oder Designer*innen ethische Grundsätze für die vernetzte Welt auf: Die Hacker*innenethik besagt u. a., dass öffentliche Daten für alle zugänglich und nutzbar sein sollten, private Daten im Gegensatz dazu aber geschützt gehören. Algorithmenethik beschäftigt sich damit, dass Diskriminierung nicht in Code gegossen werden darf, sodass Ungleichheiten nicht immer und immer wieder reproduziert werden. Medienethik dreht sich rund um die Verantwortungen, wenn Inhalte produziert, verbreitet und rezipiert werden. Die Prinzipien des Design Justice Network zeigen auf, dass die Stimmen jener in den Fokus genommen werden müssen, die von einem Designprozess vorrangig betroffen sind. 

Mit hello world sprechen wir solche ethischen Grundsätze an, um einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang zu fördern.


hello world schafft einen Rahmen zum…

…Problemlösen & Gestalten

Die Aufgabenstellungen in unseren Workshops zeigen oftmals Problematiken in unserer Gesellschaft auf, deren Lösungen wir mit Hilfe von Technologien suchen. Dabei entdecken die Teilnehmer*innen die Funktionsweisen und den Zweck von technischen Produkten und können gestalterisch in ihre Entstehungsprozesse eingreifen.

Dieses Gestalten – ob als Bastelobjekt oder Code – fördert einen kreativen Umgang mit den vorhandenen Materialien, stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und zeigt auf, dass wir selbst an Problemen gesellschaftlicher Dimension konstruktiv mitwirken können.

Für Kinder ist die Verschränkung von digitalen und analogen Fabrikationsmöglichkeiten oftmals eine neue Erfahrung, die dabei hilft, Technologien wie Handys, Tablets oder Computer als Werkzeuge – im wahrsten Sinne des Wortes – zu begreifen. 

…Analysieren & Reflektieren

Während der Workshops identifizieren wir Probleme, analysieren sie und suchen mögliche Lösungen. Jeder Workshop endet mit einer Reflexionsphase, in der das gerade Erlebte, aber auch übergeordnete Aspekte des Themas und persönliche Erfahrungen diskutiert und reflektiert werden. Auf diese Weise können wir mit den Kindern aktuelle, gesellschaftlich relevante Fragestellungen diskutieren und mit ihrer Lebensrealität verknüpfen. Denn auch die Jüngsten haben oftmals bereits Erfahrungen und Meinungen zu Themen wie Automatisierung, Überwachung oder Verschwörungsmythen.

…Produzieren & Demonstrieren

Die Erfahrung, selbst Produkte herzustellen, ändert die Selbstwahrnehmung.
Darum ist es uns ein Anliegen, den Teilnehmer*innen zu ermöglichen, selbstgemachte Making-Artefakte, wie flitzende Roboter oder leuchtende Postkarten mit nach Hause zu nehmen. Dort können sie die Erinnerung  an die eigene Selbstwirksamkeit immer wieder wecken.

Mit Selbstwirksamkeit ist jenes Vertrauen gemeint, das Menschen sicher macht, Situationen zu meistern und Probleme zu bewältigen.

Wenn wir es Kindern ermöglichen, diese Sicherheit auch in puncto Technik und Technologie zu erreichen, werden sie später mit einer größeren Selbstverständlichkeit und weniger Hürden im Kopf am digitalen Leben aktiv und gestalterisch partizipieren wollen.

…Kommunizieren & Zusammenarbeiten

Soziales Lernen und Teamwork sind elementare Bestandteile der Workshops.
Die Teilnehmer*innen arbeiten gemeinsam an Aufgaben und tauschen sich darüber aus.
Dabei streben wir ein ausgewogenes Verhältnis von Gruppenphasen, Teamarbeit und Einzelaufgaben an. Insbesondere bei der Problemdefinition und Ideenfindung geben sich die Beteiligten gegenseitig neue Denkanstöße und erlangen so neue Erkenntnisse zu gesellschaftlichen Auswirkungen. Wichtig ist uns daher, keine konkurrierende, sondern eine kooperative und kollaborative Umgebung zu schaffen.

…Bedienen & Anwenden

In hello world Workshops geht es immer darum, praktische Erfahrungen im Umgang mit Technik, Code und Medien zu erlangen. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Teilnehmer*innen sehr unterschiedliche Kompetenzen in der Mediennutzung haben und sie dementsprechend mehr oder weniger Anleitung bei der Bedienung benötigen. Daher bedarf es zielgruppengerechter Technik und individueller Unterstützung. Während wir etwa Module mit Lötgeräten erst mit Kindern ab 8 Jahren durchführen, wird mit Nadel und Faden schon ab der ersten Grundschulklasse gearbeitet.

Auf weitere medienpädagogischen Bezüge gehen wir detaillierter in den Pädagogischen Bausteinen und noch ausführlicher in der Langfassung unseres medienpädagogischen Konzepts ein, das in Kürze hier downloadbar ist.

zuletzt geändert am 17. May 2021