Pädagogische Bausteine

Unsere pädagogischen Bausteine orientieren sich an zeitgenössischen Instrumenten und Methoden aus unterschiedlichen pädagogischen Disziplinen, wie z.B. aus der Kunstvermittlung, reformpädagogischen Konzepten, Migrationspädagogik, u.a. Sie finden in der handlungsorientierten Medienbildung und im pädagogischen Making Anwendung und werden für hello world laufend interpretiert und adaptiert. Eine umfangreichere und von uns stetig aktualisierte Fassung findest du in unserem medienpädagogischen Konzept (PDF).

Pädagogischer Ansatz und Rahmengestaltung

Ressourcenorientierung

Mit hello world bestärken wir Kinder, ihre eigenen Ressourcen wahrnehmen und nutzen zu können. Daher bemühen wir uns, aktivierende pädagogische Situationen zu schaffen, die individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Die Produkte und Projekte, die bei hello world entstehen, sind zwar in ihrer Funktionsweise oftmals gleich, es ist uns aber ein großes Anliegen, dass sie von den Teilnehmer*innen kreativ und individuell ausgestaltet werden, sodass am Ende kein Werk dem anderen gleicht. 

Durch diese aufgelockerte Ergebnisorientierung ist auch das Scheitern an eigenen Vorstellungen oder das Fehlermachen erlaubt. Um dabei die Frustrationstoleranz und das Durchhaltevermögen zu fördern, legen wir Wert auf Autonomie und Selbstmotivierung. Zudem begleiten wir die Teilnehmenden dabei, eigene Ansprüche zu hinterfragen und die Realisierbarkeit eigener Ideen einschätzen zu lernen. Dies gelingt insbesondere durch die enge Zusammenarbeit von Mentor*innen und Teilnehmer*innen, was allerdings einen hohen Betreuungsschlüssel erfordert.

Alltagsnähe

Die Workshopmodule greifen alltagsnahe, gesellschaftlich relevante Themen auf. Kontroverse Themen müssen dabei keineswegs ausgeklammert werden, sondern können auch im Fokus stehen, um die Teilnehmer*innen zur Reflexion und Diskussion anzuregen und sie dauerhaft zum Nachdenken zu bewegen.

Do it yourself und Nachhaltigkeit

Kern vieler unserer Module ist die selbstständige Gestaltung eines eigenen Projekts oder Produkts. Neben der Erfahrung der Kinder, selbst gestalten oder coden zu können, wird so ein Bezug zu täglichen Dingen hergestellt. Durch das Selbermachen werden Zweck und technische Funktionsweisen der Produkte reflektiert und ein Verständnis von anderen alltäglichen Gegenständen aufgebaut. Dieses Wissen ermöglicht auch erst ihre Optimierung, bspw. die Schonung von Ressourcen und die Nachhaltigkeit von Produkten mitzudenken.

Kollaboratives und Peer Lernen

Im Sinne der Sharing-Kultur der Open Source-Bewegung setzen wir auf gegenseitiges Helfen, Teilen und Weitergeben von Erfahrungen und Wissen. In Kleingruppen werden dabei gemeinsame Lernprozesse durch gemeinsame Ziele angeregt. Neben der engen Zusammenarbeit mit den erwachsenen Mentor*innen lassen wir auch die Teilnehmer*innen die Rolle von Co-Mentor*innen einnehmen. Aus Erfahrung gelingt dies jedoch nicht immer spontan und auch hier sind pädagogische Interventionen notwendig. Daher fördern wir methodisch den Austausch innerhalb der Kleingruppe und grenzen die Themen und Inhalte der Module ein.

Schutzraum

Ziel ist es, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem Fehler gemacht und Fragen gestellt werden können. Dies gelingt nur, wenn den Teilnehmer*innen von Anfang an Sicherheit und Vertrauen vermittelt werden, wodurch eine Atmosphäre geschaffen werden soll, in der sich alle wohlfühlen. Ein allgemein sichtbarer Verhaltenskodex macht die Regeln des gegenseitigen Austauschs transparent. Die aktuelle Version unseres Verhaltenskodex’ kann auf unserer Website nachgelesen werden. 

Pädagogische Haltung

Begegnung auf Augenhöhe

Wir erkennen die Teilnehmer*innen als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt an und legen großen Wert auf einen wertschätzenden und positiven Umgang zwischen allen Beteiligten. Ein Hierarchiegefälle zwischen Lehrenden und Lernenden soll vermieden werden, sodass ein gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe möglich ist.

Pädagogische Reflexivität und Vielfalt

Unser pädagogisches Programm richtet sich an eine möglichst bunte Vielfalt an Kindern und Jugendlichen. Daher möchten wir chancengerechte Zugänge, anregende Rahmenbedingungen und unterstützende Strukturen schaffen, um individuelle Fähigkeiten zu fördern. Wir sind uns bewusst, dass die Teilnehmer*innen Verschiedenheiten (Geschlecht, Kultur, Wissensstand, …) mitbringen. Das kann zu Stereotypenbildung und Hierarchisierungen von Unterschieden führen. In unseren pädagogischen Settings ist es uns deshalb wichtig, uns mit solchen Dynamiken auseinanderzusetzen und eigene Vorurteile zu reflektieren, um einen sicheren Rahmen zum lustvollen Entdecken von Neuem bieten zu können.

Regenbogen-, Gender- und Interkulturelle Kompetenz

Wir legen einen besonderen Wert auf die Fähigkeit der Mentor*innen, mit der Diversität der Teilnehmer*innen umzugehen. Da wir Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Identität und der Herkunft in höheren technischen Bereichen beobachten, schärfen wir besonders unser Verständnis für die Lebenslagen dieser Personen und entwickeln dazu laufend unsere Methoden und Verfahrensweisen weiter. In der Kommunikation und Kooperation mit jungen Menschen banalisieren wir diese Themen daher nicht, sondern nehmen ihre Ängste, Sorgen und Herausforderungen ernst.

Mentoring

hello world Mentor*innen sind technikaffine Pädagog*innen oder Medienpädagog*innen, die durch das Programm führen und mit den Teilnehmer*innen die Module durchführen. Dabei haben sie die pädagogische Ausrichtung im Blick und schaffen eine freundliche Atmosphäre. Sie sorgen dafür, dass niemand aus dem Gruppenprozess ausgeschlossen wird und schaffen Möglichkeiten, die Module an die individuellen Voraussetzungen der Kinder anzupassen oder zu erweitern. Das ist mitunter sehr intensiv, wodurch der Betreuungsschlüssel eine*n Mentor*in für vier Kinder vorsieht.

hello world Mentor*innen erhalten vor ihrem Einsatz ein Briefing, das neben einer Einführung in die Module ebenso die pädagogische Haltung und Ausrichtung des Programms umfasst. Dabei achten wir darauf, dass Mentor*innen, zumindest in Teilen, einen persönlichen Bezug zu den von ihnen vorgestellten Inhalten bzw. Themen haben, um sie authentisch und verständlich vermitteln zu können. Nur so wird auch die Faszination für das gewählte Thema adäquat transportiert.

Falls du selbst Workshops planst, ist die beste Voraussetzung natürlich der Besuch eines hello world Multiplikator*innenworkshops, bei dem alle Fragen zum Programm Schritt für Schritt erörtert werden.

zuletzt geändert am 10. May 2021